Teleprüfung Sturzgefährdung

Projekthintergrund:
Das Modellprojekt "Teleprüfung Sturzgefährdung“ beschäftigt sich mit der grundsätzlichen Sturzgefährdung bei älteren Menschen. Als Folge von solchen Stürzen ergibt sich oft eine starke Einschränkung in der Alltagsbewältigung, welche mit weiteren Belastungen für die Betroffenen aber auch für das Gesundheitssystem einhergeht. Die Fähigkeit, sich aufrecht und in selbst bestimmter Geschwindigkeit auf seinen eigenen zwei Beinen im Raum zu bewegen, ist wesentlicher Bestandteil des menschlichen Konzepts von Selbstbestimmung. Diese Fähigkeit wird im Kindesalter mühsam erlernt, sie geht in höherem Alter langsam verloren.

Etwa ein Drittel der über 65-jährigen stürzen mindestens einmal im Jahr. Die Rate steigt mit zunehmendem Alter weiter an, so liegt sie bei den 80 - 89-jährigen bei 40-50% und bei den 90 - 99-jährigen deutlich über der Hälfte. Möglicherweise stellt aber das Alter an sich keinen unabhängigen Risikofaktor für das Auftreten von Stürzen dar, sondern lediglich einen Indikator für die Zunahme anderer Risikofaktoren mit dem Alter. 60 – 70% der Gestürzten stürzen innerhalb der folgenden 12 Monate erneut. 20% aller Stürze älterer Menschen führen zu Verletzungen, 5% zu Knochenbrüchen. Prospektive Untersuchungen zeigen, dass sich in Folge von Stürzen die Inanspruchnahme von Hilfsmitteln zum Gehen um 60% erhöht. 25% der Alterspatienten nach sturzbedingter Fraktur verstirbt im ersten postoperativen Jahr.

Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung ist mit einer deutlichen Zunahme der Zahl alter und hochbetagter Menschen zu rechnen. Insgesamt werden also Stürze älterer Menschen häufiger, wenn es nicht gelingt, rechtzeitig die Risikopersonen als solche zu entdecken und einer qualifizierten Sturzprophylaxe zuzuführen (Sturzpräventionstraining, Wohnraumanpassung, Osteoporoseprophylaxe bzw. Therapie, Medikation). Die Vermeidung von Stürzen vermindert persönliches Leid und schont die knappen (gesundheits-)wirtschaftlichen Ressourcen.

Projektbeschreibung:

Ziel des Projektes ist es, Personen mit erkennbaren Risikofaktoren für Stürze primär-präventiv zu identifizieren, um durch gezielte Maßnahmen Stürze zu vermeiden bzw. ihre Folgen zu mindern. Ebenso sollen Personen in das Projekt eingeschlossen werden, welche bereits gestürzt sind, um zukünftig die wahrscheinlichen weiteren Stürze zu vermeiden. Im Rahmen der Projektuntersuchungen sollen die lokomotorischen Funktionen betrachtet werden, um hier Defizite zu identifizieren, welche zu lokomotorisch bedingten Stürzen führen können. Dies sind bei weitem die häufigsten Stürze bei älteren Personen, d.h. synkopale bzw. extrinsische Sturzfaktoren werden nicht untersucht (hier gibt es oft auch keine sinnvolle Prävention).

Die Untersuchungspersonen werden über die ambulanten Pflegedienste in das Projekt eingeschlossen. Zielgruppe hierbei sind Angehörige ab 50 Jahre von bereits pflegebedürftigen Personen, welche durch den ambulanten Pflegedienst betreut werden. Diese Angehörigen sind für eine Sturzprävention durch die Pflegebedürftigkeit der ihr nahe stehenden Person bereits sensibilisiert und erkennen daher eher die Notwendigkeit, präventiver Sturzuntersuchungen und daraus abgeleiteter Maßnahmen. Ebenfalls angesprochen werden Angehörige von stationär betreuten Patienten der geriatrischen Zentren in Aalen und Schwäbisch Gmünd (insgesamt ca. 2400 stationäre Patienten pro Jahr). Die Beurteilung erfolgt anhand von drei sehr gut validierten Tests zur Sturzgefährdung: 10-meter-walk, timed up-and-go sowie chair-rising. Folgender Projektablauf wurde dafür festgelegt:


  • Anlage der stürzgefährdenden Person im Teleprüfungs-Server durch
    den Ambulanten Pflegedienst mit kurzer standardisierter Anamnese
  • Aufnahme mehrerer Videosequenzen der Angehörigen durch
    die ambulante Pflege vor Ort beim Patienten
  • Übertragung der Videosequenzen analog dem Projekt
    Telekonsultation Chronische Wunde
  • Anforderung der Befundung durch jeweiligen Experten
  • Es erfolgt eine Bewertung der Sequenzen anhand einer
    standardisierten Checkliste unter Berücksichtigung der Angaben
    der Anamnese. Ein Maßnahmenvorschlag wird für jede teilnehmende Person erstellt. Die einzelnen Maßnahmen werden entsprechend der individuellen
    Gefährdungsfeststellung für die einzelnen Personen zusammengestellt.
  • Eine Ergebnisbenachrichtigung wird an den betreuenden
    Ambulanten Pflegedienst versendet. Dieser bespricht die Maßnahmen
    mit teilnehmender Person und vereinbart eine Folgeuntersuchung
    im Projektzeitraum. Die teilnehmenden Personen bekommen ebenfalls eine
    schriftliche Auswertung.
Insgesamt werden im Projektverlauf drei Untersuchungen zur Fortschrittskontrolle mit den Personen durchgeführt. Dabei wird auch dokumentiert, ob die Teilnehmer die vorgeschlagenen Maßnahmen durchführen. Sollte es im Projektverlauf notwendig werden, werden in Absprache mit den jeweiligen Krankenkassen motivatorische Anreize zur Projekteilnahme bzw. zur Maßnahmendurchführung angeregt.


Ablaufschema: Teleprüfung Sturzgefährdung